Dr. Alex Touchstone ist Zahnarzt in Hattiesburg, Mississippi, USA. Er setzt in seiner Praxis bereits seit 20 Jahren klinische Anwendungen der Digitalen Zahntechnik ein. Für unseren Blog sprechen wir mit ihm über solche Technologien – insbesondere über computergestütztes Design bzw. computergestützte Herstellungsverfahren (CAD/CAM). Nach seiner Auffassung liegt die Zukunft der Zahnmedizin in der digitalen Welt.

 

NDI-Blog-Why-Every-Dental-Practice-Needs-Digital-Dentistry-An-Interview-with-Dr-Alex-Touchstone-DDS.jpgWelche Rolle spielt CAD/CAM in der Zahnmedizin?

CAD/CAM (Computer-Aided Design/Computer-Aided Manufacturing) ist in der Zahnmedizin an sich nichts Neues. Die Technologie ist – in unterschiedlichen Formen – bereits seit 30 Jahren im Einsatz. Wirklich neuartig ist allerdings das wachsende Spektrum an Behandlungen, die damit möglich sind. CAD/CAM-Technologie ist eine wesentliche Komponente für die Zahnmedizin der Zukunft: Sie erlaubt voll-integrierte digitale Arbeitsschritte, von der Diagnose bis zur Behandlung.  

Können Sie uns ein Beispiel dafür geben, dass diese Technologie Diagnose und Behandlung verbessert?

Neulich kam eine Patientin zu mir in die Praxis mit Schmerzen im Bereich der oberen Schneidezähne. In der Untersuchung fanden wir einen Abszess, der die Knochensubstanz bereits so angegriffen hatte, dass der Zahn nicht mehr zu retten war. Auch ästhetische Aspekte spielten bei der Patientin eine Rolle.

Vier verschiedene bildgebende Verfahren haben wir eingesetzt, um den Behandlungsplan zu erstellen: gewöhnliche Röntgenaufnahmen, die digitale Volumentomographie (DVT), einen intraoralen Scan und Fotoaufnahmen.

Diese Daten haben wir anschließend in eine spezielle Software eingegeben, die daraus ein virtuelles diagnostisches Modell erstellt. Daran konnten wir dann die verschiedenen Möglichkeiten zur Wiederherstellung des Zahns durchspielen.

Der endgültige Behandlungsplan umfasste dann einen parodontalen chirurgischen Eingriff, Hart- und Weichgewebetransplantate, Veneers, Vollkronen und eine Implantatkrone. Die Transplantate und Implantate konnten wir dank des virtuellen Modells genauer planen. Die Veneers und die Kronen haben wir in einem digitalen CAD/DAM-Verfahren hergestellt. All dies ließ sich anhand der digitalen Daten wesentlich exakter durchführen.

Für welche Zahnärzte ist der Einsatz von CAD/CAM denn überhaupt geeignet?

Ich würde gerne einen Schritt weitergehen und statt CAD/CAM von “Digitaler Zahnmedizin” sprechen, die unsere derzeitige und zukünftige Realität umfasst. Im Prinzip nutzen bereits heute alle Zahnärzte auf die eine oder andere Weise digitale Technologien: digitale Röntgenaufnahmen, Praxismanagement-Software, im Labor digital entworfene Implantate, CAD/CAM und digital-gestützte Kieferorthopädie – um nur einige Beispiele zu nennen.

Wirklich spannend ist die Frage, wie man all diese Komponenten miteinander verbindet. Das “Internet der Dinge” wird heute viel diskutiert und wird unsere Welt stärker vernetzen. In kleinerem Umfang findet sich dieses Konzept auch in Zahnarztpraxen wieder: Jedes “Ding”, also Diagnosewerkzeuge, ein Restaurationsprozess, eine Kommunikationsplattform für Patienten – all dies soll in einer ganzheitlichen digitalgestützten Patienten-Erfahrung zusammenlaufen. Darin steckt großes Potenzial für beide Seiten, Patienten und Zahnärzte bzw. das Praxis-Team.    

Vereinfacht die Technologie die Behandlung? Worin besteht der Vorteil für den Zahnarzt?

Vor allem wird der Arbeitsprozess deutlich effizienter, wenn wir verstärkt digitale Technologien einsetzen. Das macht die Arbeit nicht unbedingt einfacher, aber wir schaffen einfach mehr in kürzerer Zeit.

Zahnärzte können so Zeit sparen und die Behandlung für die Patienten verbessern. Bleibt die Frage nach den Kosten. Allgemein gesprochen lohnt sich eine Investition in Praxisausstattung immer dann, wenn sie so viel genutzt wird, dass sie die Gewinnschwelle überschreitet. Beispielsweise ist es in den USA so, dass diese bei 8-12 mittels CAD/CAM hergestellten Kronen pro Monat bereits erreicht wird.

Mit welchen Apparaten und mit welcher Ausrüstung können Zahnarztpraxen das Potenzial der Digitaltechnologie voll ausschöpfen? Und wie können Zahnärzte die Anschaffungskosten reduzieren?

Wenn eine Zahnarztpraxis nicht die Anzahl an monatlichen Behandlungen durchführt, die nötig wären, um die Gewinnschwelle zu überschreiten, gibt es immer noch Alternativen. Die digitale Volumentomographie (DVT) zum Beispiel rechnet sich häufig nicht. Es kann daher sinnvoll sein, die Patienten an einen Kollegen zu verweisen, der das Verfahren durchführt. Die Ergebnisse gehen dann wieder an den behandelnden Arzt zurück.  

Können die neuen Technologien die Zahnmedizin denn auch negativ beeinflussen?

In der Zahnmedizin befinden wir uns momentan in einer disruptiven Periode, die durch Konsolidierung gekennzeichnet ist. Dies betrifft die drei Hauptbereiche Dentallabore, Zahnarztpraxen und Hersteller. Da wird es natürlich Gewinner und Verlierer geben – und die Gewinner sind die, die gegenwärtige Entwicklungen beobachten und sich innovativ für die Zukunft rüsten.

Sie wollen Ihr Praxismanagement verbessern? Dann können neueste digitale Technologien eine Lösung dafür darstellen. In unserem Blog finden Sie zusätzlich noch zahlreiche Tipps, mit denen Sie Ihre Zahnarztpraxis optimieren können.

Dr. Touchstone ist einer der führenden Experten auf dem Gebiet der digitalen Zahnheilkunde. In den vergangenen Jahren hat er vielen Zahnarztpraxen mit sorgfältig ausgewählten Technologien zu mehr Wachstum verholfen. Er gehört zu den medizinischen Beratern der Natural Dental Implants AG und ist Gründer und Chefredakteur von LearnDigitalDentistry.com, einer Online-Lern-und-Netzwerkplattform.

Sie erreichen Dr. Alex Touchstone unter: alex@learndigitaldentistry.com 

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